02 Analyse
System Analyse
Benutzer (User)
Der Konsum von Fernsehen ist bei vielen Personen ein fester Bestandteil des Alltags. Für die einen ist es Unterhaltung respektiv ein Weg um die eigene Stimmung zu regulieren, für die anderen ist es ausschliessliech ein Informationsmedium. Wenn man davon ausgeht dass IPTV in Zukunft ein Standart sein wird, gibt es keine bestimmte Zielgruppe mittels welcher man den Interaktionsumfang gezielt optimieren kann.
Viele Fernsehnutzer haben Vorlieben für TV-Sender, Genre von Sendungen, Serien, Schauspieler oder ganz bestimmte Inhalte. Wenn IPTV Geräte in Wohnzimmer zuhause sind, wo in den meisten Fällen auch andere Benutzer (Partner, Familie oder Mitbewohner) davon Gebrauch machen, summieren sich diese Präferenzen.
Funktionen um solche Präferenzen einfach zugänglich zu machen, sind sehr nett, können aber dazu führen, dass man immer nur dasselbe im Fernseher schaut. Das Gegenteil von diesem selektiven Fernsehveralten ist das Zapping, welches auf Grund des stetig wachsenden, zeitversetzten Programmangebots an Beliebtheit verliert. Geht man davon aus, dass die Fernsehsender ihre bereits ausgestrahlten Inhalte in Mediatheken anbieten, durchzappt man durch das lineare Senderangebot nur ein kleiner Bruchteil des gesamten Angebots. Für diejenigen die fernsehschauen, um sich zu entspannen und sich einfach von der Glotze berieseln lassen wollen, ist Zapping eine geeignete Methode.
Nicht nur das stetig wachsende Programmangebot, sondern auch weitere Funktionalitäten, Dienstleistungen und Zusatzinformationen führen dazu, dass Benutzer welche nicht technikaffin sind, mit der Bedienung von solchen Systemen schnell überfordert sind.
Fernsehinhalte (Data)
Der Fernsehinhalt besteht längst nicht mehr nur aus Echtzeitübertragungen von Fernsehsender. Es setzt sich je nach IPTV- oder PVR-Anbieter aus verschiedenen Angebotsquellen zusammen:
- Interaktive Fernsehsender
Das Erhalten der Zuschauerquoten wird dazu führen, dass die Fernsehsender ihre Interaktivität derjenige des Internets anpassen müssen. Dies bedeutet, ihre Inhalte müssen nicht nur zu festen Zeiten ausgestrahlt werden, sondern wie im Internet jederzeit verfügbar sein. Viele Fernsehsender bieten Mediatheken via normalem Internet an, nun liegt es an den IPTV Anbieter diese in den eigenen Systemen einzuflechten, T-Home Entertainment hat es vorgemacht.
- Video On Demand
Video on Demand Medien gehören bei den meisten IPTV Anbieter zum Standartangebot dazu, neu sind Schnittstellen zu externen kostenpflichtigen Dienstleister wie zum Beispiel Amazon, die eine Filmdatenbank von mindestens 40‘000 Filme und Serienstaffeln zu Verfügung stellt.
- Podcast
Podcasts erfreuen sich über stetig wachsende Popularität und finden vermehrt mittels Set-Top-Box-Schnittstellen den Einzug ins wohnzimmerische Fernsehen.
- Weitere Medien und Informationen aus dem Internet
Dass das Internet sich im Fernseher verbreitet, erkennt man durch die Vielfalt Hersteller von YouTube Schnittstellen die bereits als selbstverständlich gehalten werden. Viele Fernsehhersteller setzen vermehrt auf TV Widgets, um gezielt nur erwünschten Kleinapplikationen und Zusatzinformationen auf dem TV zu kriegen. Die meisten Hersteller übernehmen die bestehenden Widgets Yahoo.
British Telecom (BT) bietet externen Firmen ebenfalls Schnittstellen für Zusatzinformationen an. Im Unterschied zu den Widgets werden hier die Zusatzinformationen mit dem Fernsehinhalt gekoppelt. Bei Live-Berichterstattungen wie z.B. ein Fussballmatch kann man Mannschaftsaufstellungen und Informationen zum Spielverlauf abrufen. Auch Werbungen sind bei BT interaktiv, so kann man während ein Hondaspot läuft via Knopfdruck direkt zu dessen TV-Portal gelangen.
System
Die meisten Systeme, welche dem Benutzer erlauben audiovisuelle Medien aus dem Internet mittels Wohnzimmerfernsehen zu konsumieren, bestehen aus drei Hardware Komponenten, Set-Top-Box, Display / GUI und Fernbedienung (siehe System-Diagramm). Die Interaktion zwischen Mensch und Maschine (HMI) geschieht in einem solchen System in erster Linie zwischen Benutzer-Fernbedienung, respektiv durch die Befehlseingabe und die Antwort, welche er mittels GUI erhält (im System-Diagramm als graue Pfeile gekennzeichnet).
- Set-Top-Box
Die Set-Top-Box ist technisch gesehen das Kernstück. Mit der Set-Top-Box (STP) werden Befehle der Fernbedienung empfangen, Daten aus dem Internet werden aufbearbeitet und werden folglich auf ein entsprechend generiertes GUI dargestellt.
- Display & GUI
Ein Bildschirm respektive Fernseher auf welchem Inhalt und Graphical User Interface (GUI) dargestellt werden.
Mehr dazu unter: 02 Analyse/Graphical User Interface
- Fernbedienung (Remote Control)
Eine Fernbedienung (Remote Control) damit der Benutzer seine Wünsche und Befehle dem System mitteilen kann.
Mehr dazu unter: 02 Analyse/Remote Control
Navigationsprinzipien
Aus der Recherche haben sich grundsätzlich zwei Navigationsprinzipien herauskristallisiert:
Das Steuerkreuz Prinzip
Die meisten Menus und Inhaltslisten von IPTV oder PVR Set-Top-Boxen werden heute noch mit einem simplen Steuerkreuz navigiert. Träger von solchen Steuerkreuze sind häufig Fernbedienungen mit IR-Technologie, welche klare Interaktionsschwächen aufweisen. Die Fernbedienung muss auf den Fernseher gerichtet sein und Befehle können nur einzeln und langsam verarbeitet werden. Mühsam wird es wenn man grössere Listen durchstöbern will, VoD Filmlisten haben oftmals mehrere hundert Einträge. Helfen kann man sich mit einer zweiten Schaltfläche mit welcher man eine bestimmte Anzahl Listeneinträge überspringen kann, meistens so viele wie auf den Bildschirm passen.
Point to Select Prinzip
Am Computer kennen wir die Mouse um Inhalte zu selektieren, respektive das “Point to Select” Prinzip. Anwendungen, Portale und Dienstleistungen die für das Web bereits existieren, können so einfach auf das Fernsehmedium adaptiert werden. Mehrere Herstellerbeschäftigen sich mit unterschiedlichen Methoden wie man dieses Prinzip auf eine Fernbedienung portieren kann. Setzt man voraus, dass man eine Fernbedienung möglichst bequem nutzen will, ohne grosse Armbewegungen oder ohne erstere Lernphase, gibt es dafür noch keine gute Lösung. Ist der Fernseher klein, fällt es erst recht schwer Schaltflächen zu treffen.
Orientierung vs. kreativer Spielraum
Steuerkreuze setzten voraus, dass die Navigation des Systems linear oder tabellarisch aufgebaut ist. Einerseits hilft dies der Orientierung doch anderseits nimmt es der Art und Weise wie man Inhalte auf dem Fernsehen darstellen könnte kreativen Spielraum weg.

Scrolling Prinzipien
Durchblättern bis Überfliegen
Wie im Abstrakt der Arbeit schon erwähnt, sollen unterschiedliche Technologien untersucht werden, welche es erlaube analoge Werte zu übermitteln. Dies bedeutet dass der Wert der übermittelt wird nicht fix ist, sondern je nach Eingabe ein Wert in einer Skala entspricht. Ein gutes Beispiel um dies zu erklären ist der iPod. Der Play Button ist eine Taste mit welcher ein digitaler Wert übermitteln wird, Musik an - Musik aus. Das Wheel, auf deutsch Drehrad, erlaubt es ein analoger Wert zu übermitteln, die Geschwindigkeit mit welcher die Musikliste scrollt entspricht einem Wert einer Skala, je nachdem wie langsam oder schnell man mit dem Finger über das Drehrad fährt.
Dies hat den Vorteil das die Interaktion feiner auf den Benutzer abgestimmt werden kann. Auch beim Zapping kann dies Vorteil sein, denn der eine Benutzer will möglichst schnell alles überfliegen um die Gewissheit zu haben sich für die bestmögliche Sendung entscheiden zu können und der andere Benutzer lässt sich bei jedem umschalten Zeit und entscheidet sich einfach für das nächstbeste. Die Effizienz der Aufnahme von Informationen beim Scrollen ist bei vielen Benutzer unterschiedlich. Meiner Meinung nach ein Frage der Übung und z.B. vergleichbar mit dem Lesen. Wer viel liest, der kann schneller Texte überfliegen und verstehen als einer der sonst nie liest.
Grundsätlziche Anforderung an eine Fernbedienung (FB) sind:
- Die FB soll mit einer Hand vollumfänglich bedient werden können.
- Die Anzahl der Tasten soll so gering sein dass die FB blind bedient werden kann. Viele Tasten können den User schon beim Anblick überfordern.
- Die FB soll gut in der Hand liegen
Welche Technologien gibt es um analoge Werte zu übermitteln? Was sind die Vor- und Nachteile?
- TouchWheel (spin to scroll)
Der analoge Wert entspricht hier der Geschwindigkeit der Drehung des Wheels.
Vorteile:
- Die Werteskala kann mehr Werte enthalten. Respektiv kann man beim Scrollen die Geschwindigkeit feiner abstimmen.
Nachteile:
- Die Geschwindigkeit konstant zu halten ist mühsam.
- Auf einer FB passen nicht mehrere Wheels.
Bild: Bekannt und beliebt, das TouchWheel des iPods
- Touchpad (slide to scroll)
Mit der Touchpad Variante “slide to scroll” kann man je nachdem wie schnell oder langsam mit dem Finger über das Touchpad gewischt wird, entsprechend schrittweise scrollen.
Nachteil:
- Bei längeren Liste muss man wiederholt mit den Finger arbeiten, dies könnte davon ablenken der Inhalt der Liste zu verfolgen. Bei jedem Schritt muss man schauen wie weit man in der Liste gesprungen ist, das Auge muss sich immer wieder neu orientieren.
- Touchpad kann man platzmässig besser einteilen als ein Drehrad, benötigen aber trotzdem viel Platz im Gegensatz zu Tasten.
Video Diplom Arbeit IAD 08 - Marcel Tanner
- Scrollrad
Beim Scrollrad ist es ziemlich ähnlich wie beim Touchpad nur wischt man nicht über eine Fläche sondern rollt den Finger über ein kleines Rädchen ab. Bessere Scrollräder geben dem Benutzer Feedback durch ein wiederholtes leichtes Einrasten des Drehrads, welcher jeweils einem Scrollschritt entspricht.
Nachteil:
- Bei längeren Liste muss man wiederholt mit den Finger arbeiten, dies könnte davon ablenken der Inhalt der Liste zu verfolgen. Bei jedem Schritt muss man schauen wie weit man in der Liste gesprungen ist, das Auge muss sich immer wieder neu orientieren.
- Die Achse in welcher sich die Liste im GUI verschiebt, muss der Richtung des Drehrads entsprechen.
- Finger Joystick (Tilt to scroll)
Der Joystick kann mittels Daumen in allen Richtungen gekippt werden. Bessere Joysticks können auslesen wie gross die Neigung ist und entsprechend niedrige oder hohe Werte übermitteln. Klarer Favorit, der Slim Joystick der PSP.
Nachteile:
- Selbst wenn es möglich ist die Neigung zu messen ist bei solch kleinen Joysticks der Spielraum so klein dass es mühsam ist die gewünschte Geschwindigkeit zu erzielen.
Bild:
- Touchscreen
Bei einem Touchscreen werden die benötigten Buttons einer FB auf dem Bildschirm simuliert. Für das Durchstöbern von Listen kann das gleiche Prinzip wie beim Touchpad verwenden werden da man einfach eine Touchpadfläche simulieren kann. Im Gegensatz zum gewöhnlichem Touchpad kann man bei einem Touchscreen genau orten wo der Bildschirm berührt wird. So wäre es möglich das man die Distanz welche man beim “wischen und halten” mit dem Finger hinterlegt und entsprechend die Geschwindigkeit regulieren.
Vorteile:
- Der Touchscreen hat den grossen dass sich das Interface der FB je nach Situtaion anpassen kann. Bei anfällige Texteingaben könnte auf dem Bildschirm eine Tastatur erscheinen welche GUI-Tastaturen oder Wohnzimmertastaturen ersetzen könnte.
Nachteile:
- Da man die Button nicht fühlen kann muss die Befehlseingabe
- Acellometer - (rotate object to scroll)
Mit einem Acellometer könnte man die Neigung der FB ausmessen. Der analoge Wert entspricht der Neigung je nachdem wie stark das Handgelenkt samt FB gedreht wird.
Vorteile:
- Die Neigung kann mit jeglichen digitalen Eingabwerte kombiniert werden um sie zu verstärken oder gar zusätzliche Funktionen zu ermöglichen.
Bild: wiiMote und iPhone/iPod Touch
Funktionsanalyse TiVo WishList
Bei der Themenpräsentation hatte ich eine erste Idee vorgestellt wie man Vorlieben und Interessen in solchen Systemen verwalten könnte. Mittels Gruppierungen soll das Programmangebot nach Vorlieben und Interessen geordnet werden können.

Diese Folie der Präsentation zeigt das Vorgehen für das Erstellen von Gruppierungen. In grün geschrieben, die Gedankengänge des Benutzers.
Die Recherche hat erwiesen dass eine ähnliche Funktion (WishList) bei TiVo bereits existiert. Die Zahl der TiVO-User welche von WishLists Gebrauch macht, zeigt mir dass solche Methoden um Inhalte zu ordnen eine geeignete Vorgehensweise ist.
Um den Prozess der WishList genauer zu untersuchen wurde ein Funktionsdiagramm erstellt.



